Für diese Beschönigung
schlimmster Menschenrechtsverletzungen wie Vertreibung und
Massenmord sind zunächst einmal die Urheber in den Bürgerkriegsparteien
auf dem Balkan verantwortlich. Aber die Beobachtung, dass
zahlreiche deutsche Medien diese Propagandaformel in ihrer Übersetzung
ohne jede kritische Distanz weiterverwendeten, hat die Jury zu
ihrer Unwort-Rüge veranlasst. Zeitungen verwendeten den Begriff
ohne Anführungszeichen, in Hörfunksendungen wurde noch nicht
einmal ein distanzierendes »sogenannt« verwendet – als handle
es sich um eine beliebige Hygienemaßnahme. Im sprachlichen
Missbrauch von Hygieneidealen ist »ethnische Säuberung« auf
einer Stufe mit »Rassenhygiene« und »politischer Säuberung«
zu sehen.