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Generelle
Stellungnahme zum Unwort
des Jahres »Humankapital“
Die Unwort-Jury ist inzwischen mit
so
vielen Reaktionen
auf ihre Wahl von »Humankapital« zum Unwort des Jahres konfrontiert
worden,
dass es unmöglich ist, auf jede Zuschrift persönlich zu antworten.
Denjenigen, die ihre Zustimmung
bekundet
haben, sei
herzlich gedankt! In diesen Zuschriften werden teilweise sehr profunde
Argumente und konkrete Informationen mitgeteilt, die unsere Kritik an
der
Ökonomisierung aller möglichen Lebensbezüge, die wir am Beispiel des
Schlüsselbegriffs
»Humankapital« exemplarisch aufzeigen wollten, nur noch verstärken.
Insbesondere
wird – auch von Fachleuten – darauf hingewiesen, wie wenig sich die
reinen
Vertreter der »Humankapital«-Theorie offenbar der begrenzten Reichweite
ihrer
Ansätze noch bewusst sind.
Den Kritikern sei folgendes gesagt:
Die
ehrwürdige
Tradition des Fachbegriffs »Humankapital«, auf die die Gegner unserer
Unwort-Wahl immer wieder verweisen, war und ist der Unwort-Jury sehr
wohl
bekannt. Er hieß auch schon einmal (etwas weniger „berechnend“)
»geistiges
Kapital« (vgl. Adam Smith u.a.). Uns war und ist auch bewusst, dass mit
diesem
Begriff neben Sachkapital und Finanzkapital menschliche Fähigkeiten und
Fertigkeiten gewürdigt werden sollten. Ob »Humankapital« mittlerweile
allerdings mehr als eine schöne Metapher ist, bleibt höchst fragwürdig.
Uns stellt
sich
angesichts des Unisono-Aufschreis der Experten inzwischen die Frage, ob
wir mit
der Wortkritik nicht einen Nerv sogar der »Humankapital«-Theorie und
ihrer
gesellschaftlichen Relevanz getroffen haben. Denn mit welcher
Sicherheit soll
denn noch der durch Bildung und Ausbildung zu fördernde menschliche
Anteil an
der Leistungskraft von Unternehmen wie der ganzen Gesellschaft
berechnet
werden, wenn im wirtschaftspolitischen und -praktischen
Handeln das sog. »Humankapital« von
inzwischen mehr als fünf Millionen und mit jeder weiteren
Massenentlassung auf
den Müll geworfen wird? Was hat die Theorie da noch mit der Realität zu
tun?
Realität ist doch wohl, dass das »Humankapital« grundsätzlich dem
»shareholder
value« untergeordnet wird. Auch die um sich greifende Umschreibung von
Arbeitkräften als »human resources« (gelegentlich sogar als »personelle
Rationalisierungsreserve«) ist mehr als entlarvend. Das rettet auf
keinen Fall
den angeblich immer noch »humanen« Charakter von »Humankapital«. Auch
sollten
sich die Experten einmal einer Debatte über etwas weiter gefasste
anthropologische Fragestellungen nach dem Wert von Menschen öffnen, der
nicht
nur mit Euro und Cent berechnet werden kann.
Hinweise, dass »Humankapital« schon
einmal
„bezeichnenderweise“ von marxistischer Seite kritisiert worden sei, die
die
Unwort-Jury in eine bestimmte ideologische Ecke stellen und damit
diskreditieren wollen, sind einer wissenschaftlichen Diskussion ebenso
unwürdig
wie die Ausbrüche einzelner, wir seien „geistige Totengräber unserer
Volkswirtschaft“ (FAZ) u.ä.. Solche Reaktionen erledigen sich
eigentlich von
selbst.
im Februar 2005
Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser
Sprecher der Jury "Unwort des Jahres"
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