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Allgemeines |
Bei der 1991 begründeten und seither jährlich stattfindenden Aktion »Unwort des Jahres« sind alle Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, sprachliche Missgriffe zu nennen, die im jeweiligen Jahr besonders negativ aufgefallen sind. Gesucht werden Wörter und Formulierungen aus der öffentlichen Sprache, die sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen. Die Vorschläge können aus allen Bereichen der öffentlichen Kommunikation stammen, aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Technik, Wissenschaft, Kulturinstitutionen oder Medien, und sollen in jedem Fall eine Quellenangabe enthalten. Die Entscheidung über das »Unwort des Jahres« trifft eine unabhängige Jury. Ihre ständigen Mitglieder sind die Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt), Prof. Dr. Margot Heinemann (Zittau), Prof. Dr. Martin Wengeler (Düsseldorf), Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a. M.). Zwei weitere Jurorensitze sind jährlich neu mit Vertretern der öffentlichen Sprachpraxis besetzt (s. a. Kap. C). Bis 1994 wurde das »Unwort des Jahres« im Rahmen der Gesellschaft für deutsche Sprache gekürt; nach einem Konflikt mit dem Vorstand dieser Gesellschaft um die Rüge der Kanzlerformulierung »kollektiver Freizeitpark« (für 1993) hat sich die Jury als »Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres« selbständig gemacht. Vorschläge werden während des ganzen Jahres entgegengenommen, die intensive Sammelphase liegt aber jeweils zwischen Oktober und Anfang Januar; die danach in einer Sitzung der Jury gefällte Entscheidung wird über die Medien bekanntgegeben. Die Ergebnisse der Unwort-Wahlen für 1991–93 sind jeweils in »Der Sprachdienst«, hrsg. von der Gesellschaft für deutsche Sprache, veröffentlicht worden (Jg. 1992, 1993, 1994), eine Zusammenfassung bis 1995 in: »Der Sprachdienst« 1996, S. 47–58 (s. a. Kap. F). Entfernt vergleichbar
ist die (ältere) US-amerikanische Aktion »Doublespeak Award«, in der
ebenfalls
ein verfehlter öffentlicher Sprachgebrauch jährlich negativ
ausgezeichnet
wird; zum Presenter of the Doublespeak Award, Prof. Dr. William Lutz
(Rutgers
University, New Brunswick), bestehen persönliche Kontakte.
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| Bundespräsident Johannes Rau in seiner
»Berliner
Rede«, Mai 2000: »Wer sich über die Untaten aus Fremdenfeindlichkeit empört, der darf die Unworte nicht überhören oder gar selber gebrauchen, die viel zu häufig die Runde machen. Unworte bereiten Untaten den Boden.« |
Künstlerische Reflexionen zur Unwort-Aktion Aus den zahlreichen Reflexionen zur Unwort-Aktion, die der
Jury
jährlich in Form langer Briefe oder ernster und heiterer Gedichte
zugehen,
sei an dieser Stelle ausdrücklich auf zwei künstlerische Reaktionen auf
die
Unwort-Wahlen aufmerksam gemacht.
<1> Bereits am 28.9.2002 hat die Liedermacherin Barbara Thalheim im Kleist-Forum in Frankfurt/Oder im Rahmen eines Chansonabends, der vom DeutschlandRadio aufgezeichnet wurde, auch ihren Titel „Unwörter“ vorgetragen. Die
CD-Aufnahme
des Konzerts ist unter dem Titel „Deutsch zu sein...“ von duo phon records veröffentlicht worden; Best. Nr. 06 08 3. ____________________________________ <2> Im Berliner Sartre-Gymnasium, Bezirk Marzahn-Hellersdorf, hat der bildende Künstler Timm Ulrichs (Hannover) eine ständige Lichtinstallation eingerichtet, die mit einem Preis der Stadt Berlin ausgezeichnet wurde: „'Wörter und Unwörter des Jahres' – Ein Sprach-
und
Lichtspiel“
Diese Installation wurde am 23. September 2004 unter zahlreicher Teilnahme von Schülern, Eltern und Lehrern des Sartre-Gymnasiums sowie Vertretern städtischer Organe und der Presse öffentlich präsentiert. Die Installation wird von Timm Ulrichs laufend aktualisiert. Sartre-Gymnasium, Kyritzer Str. 103, 12629
Berlin,
Tel. 030/99 28 14 16 |