Der Sprecher der Jury
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Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser
Medienmitteilung
Zum
17. Mal „Unwort des Jahres“ gewählt
Zum
Unwort des Jahres 2007 ist der Begiff "Herdprämie" gewählt worden. Das
Wort diffamiert Eltern, insbesondere Frauen, die ihre Kinder zu Hause
erziehen, anstatt einen Krippenplatz in Anspruch zu nehmen. Inzwischen
gibt es ein ganzes Wortfeld, das die Diffamierungabsicht ebenfalls
deutlich werden lässt. Dazu gehören u.a. die Varianten
"Aufzuchtprämie", "Gluckengehalt" und "Schnapsgeld".
Auf Platz 2 setzte die Jury das Wort
"klimaneutral".
Kritisiert wird der Versuch, mit diesem Begriff für eine Ausweitung des
Flugverkehrs oder eine Steigerung anderer CO2-haltiger
Techniken zu werben, ohne dass dabei deutlich wird, wie diese
Klimabelastungen "neutralisiert" werden sollen.
Platz 3 nimmt nach der Entscheidung
der Jury die Formulierung von Kardinal Meisner (Köln) ein, wonach Kunst
und Kultur "entartet",
wenn sie ihre religiöse Bindung verliert. "Entartete Kunst" war ein
NS-Schlüsselbegriff, mit dem missliebige Künstler und ihre Werke
diffamiert und "beseitigt" wurden.
Die Wahl eines "Unworts des Jahres"
erfolgte zum 17. Mal. Begründet wurde diese sprachkritische Aktion
1991. Diesmal hatten sich 1.760 Einsenderinnen und Einsender aus dem
In- und Ausland mit 969 verschiedenen Vorschlägen beteiligt.
Dankenswerterweise konnten auch Ergebnisse separater Unwort-Sammlungen,
u.a. seitens der "Main Post" (Würzburg) und der
"Ernst-Göbel-Schule" in Höchst (Odenwald), einbezogen werden.
Untauglich in doppelter Hinsicht war
der Versuch, in einer zentral gelenkten Aktion das Wort
"Kopftuchverbot" als Unwort des Jahres durchzusetzen. Denn zum einen
ist die Zahl der Unterstützungen eines Vorschlags für die Unwort-Wahl
nicht ausschlaggebend, weil sie - wie in diesem deutlichen Fall -
manipuliert werden kann; zum anderen kann "Kopftuchverbot" kein U
n w o r t sein, sondern - im Sinne der Einsender - bestenfalls
ein U n d i n g. Von den 1.000 Mails, die entsprechend einer von
den Akteuren verbreiteten Aufforderung, die der Jury bekannt wurde,
sind tatsächlich 165 eingetroffen.
Der Jury für das Unwort des Jahres
2007 gehörten an die vier ständigen Mitglieder Prof. Dr. Margot
Heinemann (Leipzig), Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt), der Sprecher
der Jury Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a.M.) und Prof.
Dr. Martin Wengeler (Düsseldorf). Die beiden Vertreter der Sprachpraxis
waren diesmal die Journalisten und Autoren Hans Leyendecker
(Süddeutsche Zeitung) und Sonia Mikich (Monitor/WDR).
Zeitgleich mit dem Unwort des Jahres
wird in Düsseldorf das Börsen-Unwort 2007 bekanntgegeben. Makler,
Wertpapierhändler und Analysten an der Börse Düsseldorf haben die
beschönigende Bewertung "Subprime" für Hypotheken-Darlehen gewählt, die
in Wahrheit hochriskant waren und 2007 in den USA, dann aber auch in
Deutschland finanzielle Schäden größten Ausmaßes verursacht haben, die
noch immer nicht ganz überschaubar sind.
15. Januar 2008
gez. Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser
Anschrift:
Prof.
Dr. Horst Dieter
Schlosser, Universität Frankfurt (Fach 161), 60629 Frankfurt a.M.