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Pressemeldungen |
Zum Unwort des Jahres 2008 ist die Formulierung
„notleidende
Banken“
gewählt worden. Sie stellt das Verhältnis
von Ursachen und Folgen der Weltwirtschaftskrise rundweg auf den Kopf.
Während die
Volkswirtschaften in ärgste Bedrängnis geraten und die Steuerzahler
Milliardenkredite mittragen müssen, werden die Banken mit ihrer
Finanzpolitik,durch die die Krise verursacht wurde, zu Opfern
stilisiert.
Die Jury kritisiert außerdem die Formulierungen
Als die Renten um ganze 1,1 Prozent erhöht werden sollten,malte der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog, selbst Bezieher satter Altersbezüge, das Schreckbild eines Staates, einer „Rentnerdemokratie“, in der „die Alten die Jungen ausplündern“.
Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft Rainer Wendt diffamierte Bürger, konkret die Politiker Gerhart Baum und Burkhard Hirsch, die wegen Zweifeln an der Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen schon einmal vor das Bundesverfassungsgericht gegangen waren und dies beim neuen BKA-Gesetz noch einmal tun könnten, als „Karlsruhe-Touristen“ – ein bedenkliches Verständnis der Grundrechte.
Die Wahl eines „Unworts des Jahres“ erfolgte zum 18. Mal. Begründet wurde diese sprachkritische Aktion 1991. Diesmal hatten sich 2.117 Einsenderinnen und Einsender aus dem In- und Ausland, auch aus Übersee, mit 1.129 verschiedenen Vorschlägen beteiligt. Dankbar haben wir die Ergebnisse eigener Unwort-Sammlungen, u.a. eines Leserforums der „Rheinischen Post“, verwerten können.
Der Jury für das Unwort des Jahres 2008 gehörten an die vier ständigen Mitglieder Prof. Dr. Margot Heinemann (Leipzig), Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt), der Sprecher der Jury Prof. Dr. Horst Dieter Schlosser (Frankfurt a.M.) und Prof. Dr. Martin Wengeler (Düsseldorf). Vertreter der Sprachpraxis war diesmal der Chefredakteur der „Thüringer Allgemeinen“ Sergej Lochthofen (Erfurt).
Zeitgleich wird in
Düsseldorf das Börsen-Unwort 2008 verkündet. Es lautet: „Leerverkauf“.
Dieser
Begriff sei irreführend, weil er befürchten lasse, dass Leerverkäufe
ohne jeden
„Inhalt“ vonstatten gehen könnten. Jeder Verkäufer aber müsse das
Wertpapier,
ggf. ein ausgeliehenes, im Depot haben, weil er am Kassamarkt binnen
zweier
Tage seiner Lieferverpflichtung gegenüber dem Käufer nachkommen müsse.
20. Januar 2009
gez. Prof. Dr.
Horst Dieter Schlosser
Zum 18. Mal seit 1991 soll
das
„Unwort des Jahres“ bestimmt werden. Gesucht werden sprachliche
Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation, die 2008 besonders
negativ aufgefallen sind, weil sie sachlich grob unangemessen sind und
möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen. Dabei kann es sich um
einzelne Wörter oder Formulierungen handeln, die in der Politik oder
Verwaltung, in Kulturinstitutionen oder Medien, in Wirtschaft,
Wissenschaft, Technik oder in einem anderen Bereich öffentlich
verwendet wurden. Vorschläge können von allen Deutschsprachigen im In-
und Ausland gemacht werden. Eine Quellenangabe wird erbeten.
Letzter Einsendetag (Eingang): 9. Januar 2009.
oder
E-Mail: <unwort@em.uni-frankfurt.de>
Seit Anfang 2008 sind bereits
über 500 Vorschläge eingegangen, darunter sehr „unwortverdächtige“
Sprachschöpfungen wie „Menschenrest“ (für Schwerstpflegebedürftige),
„Morbiditätszuschlag“ (im Gesundheitsfonds), „Rentnerdemokratie“ (lt.
Roman
Herzog), „intelligente Wirksysteme“ (neuartige Artilleriemunition) oder
„notleidende Kreditinstitute“.
Die
Entscheidung über das „Unwort des Jahres“ trifft wie bisher eine
unabhängige
Jury. Wie oft ein bestimmter Vorschlag
genannt wird, ist für die
Entscheidung
nicht maßgeblich. Sie besteht aus den vier ständigen Mitgliedern Prof.
Dr.
Margot Heinemann (Leipzig), Prof. Dr. Nina Janich (Darmstadt), Prof.
Dr. Horst
Dieter Schlosser (Frankfurt a.M.) und Prof. Dr. Martin Wengeler
(Düsseldorf)
sowie aus dem für 2008 kooptierten Chefredakteur Sergej Lochthofen
(Thüringer
Allgemeine).
Die
bisherigen „Unwörter des Jahres“ waren „Herdprämie“ (2007),
„freiwillige
Ausreise“ (2006) „Entlassungsproduktivität“ (2005), „Humankapital“
(2004),
„Tätervolk“ (2003), „Ich-AG“ (2002), „Gotteskrieger“ (2001), „national
befreite
Zone“ (2000), „Kollateralschaden“ (1999), „sozialverträgliches
Frühableben“
(1998), „Wohlstandsmüll“ (für Menschen, 1997), „Rentnerschwemme“
(1996),
„Diätenanpassung“ (1995), „Peanuts“ (1994), „Überfremdung“ (1993),
„ethnische
Säuberungen“ (1992) und „ausländerfrei“ (1991). 2000 wurde außerdem ein
„Jahrhundert-Unwort“
gekürt: „Menschenmaterial“.